
- Foto: Andrea Künzig
Kinderheirat, frühe Schwangerschaft und Genitalverstümmelung sind Ursachen dafür, dass derzeit mehr als 2 Millionen Frauen in Entwicklungsländern unter Scheidenfisteln leiden. Jedes Jahr kommen bis zu 100.000 neue Fälle hinzu.
Scheidenfisteln sind eine folgenschwere Geburtsverletzung und treten vor allem bei jungen Frauen auf, deren Körper für eine Geburt noch nicht ausgereift ist. Oftmals sind die Betroffenen erst 13 oder 14 Jahre alt, wenn sie das erste Mal schwanger werden. In diesem Alter ist das Becken meist noch sehr schmal, was leicht zu Komplikationen führen kann. Nicht selten kommt das Kind tot zur Welt, und die junge Frau erleidet schlimme innere Verletzungen. Doch auch schon vor der Geburt kommt es zu Komplikationen: Während der langen Wehen drückt der Kopf des Babys ununterbrochen auf das Gewebe im Unterleib. Dadurch wird die Blutzufuhr unterbrochen und Teile des Gewebes sterben ab. So entstehen Löcher zwischen Scheide, Blase und Darm - die Scheidenfisteln. In der Folge können die betroffenen Frauen ihre Ausscheidungen nicht mehr kontrollieren.
Hinzu kommt die soziale Ausgrenzung: Da die Frauen nach Urin und Exkrementen riechen, werden sie aus der Gemeinschaft verstoßen und oftmals in Hütten am Rand des Dorfes versteckt. Denn neben Unwissenheit herrscht oft der Irrglaube, die Frauen seien selbst Schuld an ihrem Leiden.
Dabei könnten Fisteln in den meisten Fällen durch relativ einfache Operationen behoben werden: 90 Prozent aller Scheidenfisteln sind heilbar. In den meisten Entwicklungsländern haben die öffentlichen Krankenhäuser allerdings weder die Fachkräfte noch die medizinische Ausstattung, um solche Operationen durchzuführen.
Neben der medizinischen Versorgung ist daher Aufklärungsarbeit besonders wichtig: Mädchen und junge Frauen sollten nicht im Teenageralter schwanger werden, sondern erst, wenn ihr Körper voll entwickelt ist. Dazu benötigen sie Zugang zu Aufklärung und Verhütung, um sich vor ungewollten Schwangerschaften schützen zu können. Aber auch ihre Eltern und die Gesellschaft müssen in die Präventionsarbeit mit einbezogen werden: Um Scheidenfisteln nachhaltig zu vermeiden, müssen Frauen eine stärkere Stellung in der Gesellschaft einnehmen, und Kinderheirat muss abgeschafft werden.
Bild: Andrea Künzig/DSW



